LGBT in Anime/Games – Eine Story von Hass und Widersprüchen.

WAAAAAAS? Da schreibt einer über LGBT? Muss ich sofort meinen Banhammer auspacken. Ich stürz mich auf das erste was mir LGBT-phob vorkommt und stürz mich wie ein Geier drauf und bash so lang auf den Schreiber ein bis er sich entschuldigt und dann entfollow und block ich den. Mir doch egal was er zu sagen hat, er hat einen meiner Lieblingschars misgendered! 

So, sind wir alle schreienden Wuthansel los? Gut, dann können wir ganz normal dem Thema widmen. Bzw. erst nachdem ich diese Botschaft losgeworden bin, die ist heutzutage leider notwendig.

[DISCLAIMER]:
SÄMTLICHE GENDERING-BEGRIFFE IN DIESEM BLOG-BEITRAG SIND NICHT ALS TRANSPHOB ODER ANGRIFF AUF ECHTE ODER IMAGINÄRE PERSONEN/CHARAKTERE ZU BETRACHTEN. NUR WEIL ICH NICHT JEDES WORT IN ALLEN ERDENKLICHEN GESCHLECHTERN SCHREIBE, HEISST DAS NOCH LANGE NICHT DAS ICH EINE/N HASS/EKEL/ANGST AUF/VOR TRANSSEXUELLE/N UND/ODER IHRE LEBENSWEISE HABE. LEST NICHT EINZELNE SÄTZE AUS DEM KONTEXT GERISSEN SONDERN DEN VOLLSTÄNDIGEN BEITRAG.

Fangen wir mal mit dem offensichtlichstem an: LGBT Charaktere in Anime/Manga/Games sind bei weitem nichts besonderes. Die meisten fließen einfach in die Story ein, sind da, alle akzeptieren und respektieren deren Sexualität oder Geschlecht und damit hat sich die Sache für gewöhnlich.
Doch in letzter Zeit hat sich die Angewohnheit herauskristallisiert, vor allem Transsexuelle Charaktere in Animes und Games auf ein Podest zu heben und wehe man sagt auch nur irgendwas dagegen oder Gott bewahre, misgendered die, sei es absichtlich oder weil mans nicht besser weiß, weil dann wird man sofort als transphob beschimpft und will am liebsten die Serie gar nimmer schauen. Als ob es so etwas besonderes wäre das es „auf einmal“ LGBTQQIP2SAA+ (oder so…?) Charaktere in Animes und Spielen gibt. Machen wir also einen kurzen Abtaucher in die Geschichte, wobei wir uns aus gegebenem Anlass (Zombie Land Saga) vor allem auf Transsexuelle konzentrieren.

Anime/Manga:

Gehen wir mal von einer billigen Wikipedia-Liste aus und suchen nach den frühesten Transsexuellen Charakteren in diesem Medium. Sicher muss ich ewig suchen und die kommen erst in den letzten paar Jahren? Als ob.
Die ersten Transsexuellen Charaktere in Anime/Manga finden wir im 1983 gestarteten  Anime Stop!! Hibari-kun!, in dem sowohl der Titelgebende „Hibari-kun“ eine Transfrau, als auch einen Transmann im Support-Charakter Gekijirō Taiga, der biologisch weiblich ist, hat.
Für den nächsten  in dieser Liste müssen wir in die Riege der Zensur, die 1990er vorspringen. Hier hat Funimation im englischen Dub von Yu Yu Hakusho das Geständnis einer Transfrau zensiert. Es gab aber gar keinen Aufreger, immerhin wars wie gesagt das Zeitalter der Zensur und es wurde ja auch alles Schwule/lesbische/transsexuelle aus Sailor Moon gestrichen, was allen egal war. Ich sag nur Sailor Starlights.

Aber das kennt doch NIEMAND! hört man schreien. Ganz besonders nicht Sailor Moon!
Dann kommen wir halt zu bekannteren Beispielen aus näherer Zeit:
Wir haben eine Transfrau in Jun Watarase von Happiness!, Grell Sutcliff in Black Butler wird im generellen als Transfrau angesehen, Ruka aus Steins;Gate ist bekannter als Transfrau, Symphogear hat 2 Transfrauen, My Hero Academia hat sowohl eine Transfrau als auch einen Transmann, Magical Girl Site hat einen transsexuellen Charakter, und als letztes in der Reihe erstmal Lily aus Zombie Land Saga. Wo ist also der besondere Aufreger als ob Lily der erste und einzige Trans-Charakter ist, das man alle Fans der Serie bashen muss, egal ob sies wissen oder nicht?

Besonders hervorheben möchte ich noch einen Anime aus 2011. Wandering Son behandelt die Probleme und Freuden zweiter transsexueller Hochschüler, die einfach nur versuchen wollen zu sein wer sie sind, wobei sie sich durch die anfangende Pubertät mit mehr als nur simplen sozialen Problemen auseinander setzen müssen. Nicht nur ästhetisch, sondern auch visuell sehr ansprechend ist dies ein Anime bei dem mich wundert, das hier nicht auch alle auf die Barrikaden steigen.

Aber das waren hier doch nur ein paar Anime, wir wollen in jeder Serie Transcharaktere, damit man auf uns aufmerksam wird! – Transsexuelle auf Twitter/reddit.
Mittlerweile können Streamingportale mit der Garantie auf transsexuelle Charaktere werben und alle kommen sie angedackelt um ihren neuen Messias zu feiern. Mit Transsexualität kann man also Geld verdienen auch noch. So viel von wegen Transsexuelle normal behandeln. Aber egal, kommen wir zu unserem anderen großen Thema.

Games: 

In Spielen werden Transsexuelle Charaktere öfter mal als Witz ausgespielt. Wie in Persona 3, als die männlichen Charaktere sich auf „Operation Babe Hunt“ machen, wo eine der potentiellen Ziele sich als Transsexuell rausstellt. Hijinks ensue.
Eher selten sind ernst gemeinte Transsexuelle Charaktere, auch wenn manche seit ewigen Zeiten (Poison aus Street Fighter) Teil der Gaming Riege sind. Vor nichtmal zwei Jahren gab es einen kleineren Aufruhr in Baldur’s Gate: Siege of Dragonspear, wo ein eingeworfener Trans-Charakter Fans zu wenig Hintergrundgeschichte hatte. Am ehesten findet man solche Charaktere noch in Visual Novels, wie Umineko when They Cry, in dem sich einer der Diener als Transfrau herausstellt. Auch Pokemon X/Y hat einen Trans-Trainer, der in manchen Sprachen herauszensiert wurde.
Aber ich möchte hier zwei  Spiele highlighten, die es schaffen mit dem Trans-Thema in ganz besonderen Wegen umzugehen.

Beginnen wir mit dem neueren der beiden. 2064: Read Only Memories ist ein Point and Click-Adventure, das sich mit der ganzen LGBT-Szene und auch mit Rassismus, Gen-Veränderungen, dem Zusammenleben von Robotern und Menschen und den daraus entstehenden sozialen Strukturen auf eine ganz spezielle, nämlich komplett normale Art und Weise auseinandersetzt. Niemand schreit einen an weil er lesbisch/schwul/trans/was auch immer ist und verlangt das man ihn deswegen besonders behandelt. In dieser Welt ist es einfach normal so zu sein. Jeder von diesen „speziellen“ Fällen behandelt einen wie eine normale Person und in Gegensatz behandelt man diese Charaktere auch wie normale Menschen. Diejenigen die einen noch am ehesten anfauchen sind die Genveränderten (Katzenwesen oder ähnliches), weil ihnen enorm viel Hass entgegengebracht wird und sogar Bewegungen gegen die Genveränderung im generellen aufgestellt werden. Doch zu jeder dieser Sozialgruppen gibt es auch einen Charakter der einem hilft umzudenken, sollte man tatsächlich Vorurteile haben. Jess Geschichte, die sie einem erzählt wenn man sich ihr gegenüber respektvoll verhält, hat mich zu Tränen gerührt. Und Jim Sterling als Leiter der Genveränderungs-Gegenbewegung zu hören hat für Lacher gesorgt.

Das andere Spiel das ich hier noch anschneiden will ist Catherine und wer das Spiel gespielt hat weiß vermutlich worauf ich hinaus will.
In diesem Spiel, in dem es um Liebe, Treue, Beziehungen und deren Verpflichtungen geht, versteckt sich ein Transsexueller Charakter.
Der ist euch nie aufgefallen? Das liegt sicher daran dass der Charakter niemals darauf extra hinweisen musste, weil nicht wichtig ist das er transsexuell ist, sondern das man den Charakter einfach deswegen mag weil der Charakter er selbst ist.
Nur im True Love End (auch das True Katherine End genannt), erfährt man, dass ihr ursprünglicher Name Eric Anderson lautet.
Was ändert das? Nichts. Erica ist trotzdem die beste Kellnerin in einem Spiel die man sich nur vorstellen kann. Toby mag das eventuell ein bisschen verunsichern, aber es schien nichts zu ändern. Wieso? Weil man Leute die man mag einfach so akzeptiert wie sie sind.

Fazit: 

Nun, das war eine Reise. Von „LGBT in Anime ist nichts besonderes“ über „LGBT in Spielen ist einfach normal“, aber was will ich eigentlich sagen?

Solange Transsexuelle immer darauf hinweisen müssen das sie anders sind, das sie besonders sind, das alle anderen scheiße sind weil man sie falsch betitelt, das alle die nicht alle Gendering-Worte für jeden Transsexuelle Person auf der Welt auf Anhieb richtig haben transphob sind (und sofort zurückrudern wenn man ihnen das vorwirft, das es doch gar nicht schlimm wäre wenn man es nicht weiß und man doch einfach fragen sollte bevor man jemanden anspricht) und das man wenn man mit Transsexuellen Personen spricht immer in eine sinnlose ewig gleiche Diskussion ausbrechen muss, solange werden Transsexuelle Personen nicht als normal anerkannt werden können. Solange sie jedes Mal wenn ein neuer Transsexueller Charakter irgendwo auftaucht jeden anfeinden müssen das man den bloß nicht misgendered es niemals leicht werden wird ein positives Bild von Transsexuellen Personen ins generelle Bild zu rücken. Solange man jede dritte Woche einen speziellen Transsexuellen Awareness Day braucht nur um allen ins Gedächtnis zu rufen das Transsexuelle ja normal sind wird es nie normal werden. Solange sie immer mehr Buchstaben in ihr komisches Akronym stopfen müssen und es vielleicht noch jedem ins Gesicht drücken müssen wird es immer schwer fallen jemanden einfach als Mensch zu akzeptieren.
Lesben und Schwule haben das schon geschafft, andere Sozialgruppen als normal anzuerkennen. Sie müssen sich nicht immer extra rausputzen und werfen anderen an den Kopf das sie ja Lesbisch sind und daher anders behandelt werden müssen, weil sie ja so normal sind.
Ich weiß wir sind kein großer Blog, aber vielleicht bringt dieser Post doch den einen oder anderen zum Umdenken und verhindert weitere Hasstiraden gegen jede Art von „anders sein“.

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