Retrospective by MMandrakeP #3 – Yu-Gi-Oh durch die Blume: Duelists of the Roses

Spannung, Story, Card games. Damit glänzt die Serie für gewöhnlich am meisten. Yugi und Seto die aneinander geraten. Mehr Card Games. 4 Kids Zensur. Aber es gibt 2 schwarze Schafe auf der PS2, die alles andere als normales Yu-Gi-Oh Gameplay bieten. Heute betrachten wir eines dieser beiden Spiele. Yu-Gi-Oh: Duelist of Roses.

DoR beginnt so vielversprechend wie es später enttäuscht. Nach einer knappen Stunde reines Tutorial (zu dem ich später noch mehr sage) und Hintergrundstory wird man in eine Reihe von 8 (10) Duellen geworfen, nach denen das Spiel schon wieder vorbei ist. Womit das Spiel also seine Ps2-Disk gefüllt hat (immerhin 4 GB groß) muss ich nun etwas länger erläutern.

Story:
Duelists of Roses basiert lose auf den britischen Rosenkriegen. Da es interessanter ist darüber zu schreiben als über das Spiel, werde ich die „richtige Story“ mal zusammenschreiben und dann die in-game version davon erläutern.
In den englischen Rosenkriegen, die von 1455 bis 1485 zwischen zwei Adelshäusern, den „weißen Rosen“ Yorks und den „roten Rosen“ Lancaster, geführt wurden, ging es um die Königskrone Englands. Beide Häuser hatten Nachkommen des alten Königs Edward des dritten in ihren Reihen und wollten dadurch die Krone für sich beanspruchen. Erstmalig gewannen die Yorks in 1461 die Königskrone, was Edward IV. an die Macht brachte. Nur unterbrochen in 1470 herrschte dieser König bis 1483 und löschte fast die gesamten männlichen Thronfolger der Lancasters aus. Als er jedoch 1483 starb wurde Henry Tudor gekrönt und durch eine Hochzeit mit Elizabeth of York vereinte er die beiden Häuser im Haus Tudor (das Leuten mit Fernsehanschluss schon bekannter sein dürfte). Somit waren die Yorks geschlagen und England konnte auf eine kriegslose Zukunft hoffen.
So viel zu einer kleinen Geschichtsstunde by Shimapan-Channel

Nun in-Game:
Ihr werdet von May Valentine und Simon McMooran in Stonehenge beschworen, um den Lancasters bei ihrem Feldzug gegen die Yorks zu helfen. Dann taucht Christian Rosenkreuz auf (der umbedingt als Seto angesprochen werden will) und bietet einem an auf seiner Seite zu kämpfen, da man sowieso alle 16 Rosenkarten braucht um wieder nach Hause zu kommen. Nun kann man sich für Lancaster (Henry Tudor, der seinen Namen zu langweilig findet und Yugi genannt werden will) oder York entscheiden. Die Entscheidung ist aber eig egal, der Rest ist dasselbe. Vorbei ist diese Geschichte innerhalb von 5-10 Minuten. Wo also der Rest der Stunde die ich vorher beschrieben habe?

Tutorial:
Wer sich nach diesem Tutorial nochmal beschwert das heutzutage Tutorials nur mehr aus sinnfreiem Handholding bestehen hat es nicht verdient jemals ein weiteres Spiel zu spielen. Das Tutorial in DoR besteht aus einem „Übungsduell“, in dem einem Simon ein Ohr abkaut wie denn welches Gameplayelement funktioniert. Jedes Mal wenn man dann hört „Drücke jetzt den Knopf und mache das“ freut man sich, denkt „Jetzt beginnt das Übungsduell“, aber dann kommt das nächste: Man sieht nur wie sich das Spiel selbst spielt. 50 Minuten lang wird einem lang und breit erklärt wie man dieses Spiel spielen sollte und man kann es nichtmal selbst ausprobieren. Jeder Spielzug, jedes noch so kleine Detail wird einem vorgespielt. Man hat quasi ein KI-Spiel mit NPC-Kommentator und vorgegebenem Ausgang. Während man sich also durch die Erklärungen quält (die noch dazu notwendig sind, denn das Spiel ist alles außer ein Yu-Gi-Oh Kartenspiel) schaut man also kurzen Sequenzen in denen es um das Bewegen, Angreifen, die Umgebungen und deren Boni/Mali geht zu.

Und das beste? Die wirklich wichtigen Gamemplayelemente die den Unterschied zwischen „Keine Chance“ und „Easy Peasy Win“ machen, Fusionen und Stärkungen, kommen in diesem Tutorial nicht vor. Bei meinem ersten richtigen Duell fragte ich mich noch was diese Animationen waren die mein Gegner Weevil immer beim Karten auswählen hatte. Beim zweiten Versuch verstand ich und vor dem dritten hab ich das Handbuch vom Spiel nochmal durchgelesen um das erste Mal zu gewinnen. Und da ein Duell dann trotzdem noch eine knappe halbe Stunde dauert, habe ich bis zu meinem ersten richtigen Sieg schon knapp 3 Stunden in das Spiel investiert. Und meine Belohnung? 3 lausige zufällige Karten aus dem Deck meines Gegners die ich eh nicht verwenden kann da sich der Typ mit dem meines Starterdecks nicht verträgt. Soll ich wirklich gegen einen Gegner grinden um sein Deck komplett zu besitzen? Dafür ist mir das Spielprinzip einfach zu langweilig. Und damit kommen wir auch zum

Gameplay:
Wie schon erwähnt spielt sich Duelists of the Roses ganz anders als normales Yu-Gi-Oh. Im Gegensatz zu einem normalen Spielfeld findet jedes Duell auf einem 7×7 großen Raster statt. Hauptpunkt eines jeden Duells ist der Deck- (oder Stapel-, das Spiel ist da nicht so konsistent)Meister, der zum Beschwören von Karten und als Zentrum der Lebenspunkte auf dem Brett unterwegs ist. Diesen kann man durch eigentlich jede Karte die es im Spiel gibt ersetzen und hat außer besondere Skills wie „Karten aufdecken“ keine besonderen Unterschiede. In jedem Zug kann eine Karte beschworen werden und jede beschworene Karte (auch der Deckmeister und Zauber/Fallenkarten) kann sich um ein Feld bewegen oder in den Verteidigungsmodus wechseln. Das Beschwören der Karten funktioniert auch anders. Statt den Standardregeln von Yu-Gi-Oh sammelt man jede Runde 3 Beschwörungspunkte und das Beschwören eines Monsters kostet seine Stufe in Beschwörungspunkten. Wenn man eine Karte auf das Feld einer gegnerischen Karte bewegt werden beide aufgedeckt (sollten sie zugedeckt sein). Eine Zauberkarte wird ohne Widerstand beseitigt, ein Angriff auf den Deckmeister ist wie ein Direktangriff auf die HP, aber der Kampf zwischen Monstern ist wirklich interessant. Jedes Monster hat eine eigene Kampf- und Sterbeanimation, die in einer kleinen Battlearena im entsprechenden Gebiet abgespielt wird. Nach dem dritten Mal verliert es jedoch seinen Charme weil es einfach zu elendig lange braucht und somit stellt man auf den „vereinfacht“-Modus um, in dem einfach beide Karten gezeigt und das Ergebnis vom Kampf animiert wird.

Dann noch kurz zu den Geländen. Jeder der Kartentypen (Krieger, Aqua, Käfer, Yu-Gi-Oh spieler kennen sich aus) haben Geländetypen auf denen sie Boni oder Mali abkriegen. Diese Boni sind für alle Typen gleich, also erkläre ich es anhand eines Beispiels. Eine Aqua-Typ-Karte erhält auf dem Gelände „Meer“ +500 ATK/DEF und kann sich 2 Felder statt nur eines bewegen. Auf dem Gelände „Wald“ z.B. ist er neutral und hat seine normale ATK/DEF und auf dem Gelände „Ödland“ erhält er -500 ATK/DEF.  Zusätzlich gibt es ein Gelände das nur gewisse Monster überhaupt betreten können ,“Labyrinth“, und ein Gelände das alle Monster mit mehr als 1500 ATK die darauf treten instant zerstört.
Für all diese Infos braucht das Spiel 50 Minuten um sie zu erklären und vergisst die wesentlichste.
Beim Beschwören von Karten muss man Verstärkungen dazufusionieren, ansonsten wirken sie nicht. Verstärkungen braucht man unbedingt um überhaupt eine Chance zu haben, da man Storybedingt immer ein schlechteres Deck haben muss als seine Gegner, diese Funktion also im Tutorial wegzulassen ist irgendwie eigenartig.

Was gibt es also sonst noch über Duelists of the Roses zu sagen?
Das Gameplay ist langweilig und zähneknirschend unfair, nach 8+2 Kämpfen hat man das Spiel durch und kann die andere Seite noch ausprobieren, die nur 8+1 Kämpfe hat. Somit hat man dann alles von Duelists of the Roses gesehen. Bzw wenn man das hier liest kann man vermutlich besser das Spiel spielen als wenn man das Tutorial in-Game verfolgt. Ich habe euch also knappe 50 Minuten eures Lebens an Tutorial erspart. Wenn ihr euch wirklich quälen wollt, ich kann euch nicht davon abhalten. Aber ich werde erstmal noch Kapselmonster Kolosseum ausprobieren, vielleicht ist das besser.

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