Pen & Paper | Divinity Original Sin 2: Wie sich ein PnP als Game spielen sollte.

Als PnP-Freund besucht man oft Spiele die als „basierend auf einem PnP“ beworben werden. Komischerweise ist aber ein Spiel, das überhaupt nicht mit solchen Werbesprüchen um sich wirft, eines der besten wenn es darum geht darzustellen, wie ein PnP in Game-Form sein sollte. Willkommen in der Welt von Divinity Original Sin. 

Ich liebe alles von Larian Studios seit Dragon Commander, quasi als sie die Publisher-Fesseln abgeworfen haben und einfach ihr Ding machen. Die ersten beiden Projekte aus denen man reine Inspiration merkt sind daher Divinity Dragon Commander (ein RTS/Risiko/CIV-Mix) und das vielgeliebte Divinity Original Sin. Anders als die meisten Spiele dieser Art (Pillars of Eternity, Wasteland 2, Planescape Torment, Tyranny) trägt Divinity den Mantel des Coop-RPGs. Die komplette Story kann demnach von zwei Spielern bewältigt werden, die von jeweils einem oder zwei weiteren Companions begleitet werden. Hierbei hat dann ein Spieler die komplette Befehlsgewalt über sich und seinen Kompangion und der andere Spieler über den anderen MC und seinen Kompagnion.
Aber wir reden ja nicht über DOS, sondern DOS2.

DOS2 ist ein direktes Sequel an DOS, zumindest was die Story angeht, die Charaktere sind alle brandneu. In erster Hinsicht anders als im Ersten Teil ist, das man diesen Teil mit bis zu 4 Spielern spielen kann. So kann man zwar keinen der hochwitzig und intelligent geschriebenen „NPC“s mitnehmen, aber zu viert Chaos in die Welt von DOS2 bringen. Und chaotisch wird es für gewöhnlich in einem Spiel in dem man jeden NPC attackieren, jeder NPC auf jede Rasse anders reagiert und kein Spieler irgendwas mit einem anderen teilen muss. Bleibt einer von euch tot liegen? Man könnte ihn wiederbeleben…oder einfach mal weitergehen und versuchen so weit es geht zu kommen. (Leichen werden durch Räume mitteleportiert). Man könnte einem Freund in einer Kampfrunde mit einem Heilzauber helfen…aber man könnte auch einen Molotov vor seine Füße werfen und ihn anzünden. Man kann sich normal verhalten und durch die Stadt gehen wie normale Bürger. Allerdings kann man auch NPCs mit Dialogen ablenken während der andere Spieler sein ganzes Haus ausräumt und danach alles nicht quest relevante beim nächsten Händler verscherbelt.  Oder den NPC mit Fässern in einem Eck einsperren und generell machen was man will. Divinity Original Sin 2 ist wie ein PnP mit seinen Freiheiten, verwendet das aber nicht als Verkaufsargument um sich Spieler zu angeln. Das muss es auch nicht, immerhin ist es großartig.

Über die Story will ich nicht zu viel verraten, da sie doch auch für jeden menschlichen Spieler, der zusätzlich im Spiel anzutreffend ist, etwas anders ist. So könnte man sagen das das Spiel im Singleplayer ganz andere Storyaspekte hat als im Multiplayer. Was das bedeuten soll, müsst ihr jedoch selbst herausfinden.
Als Quellenmagier werdet ihr anfangs von den Magistern (quasi der Kirche) der Welt auf eine Gefängnisinsel, die Freudenfeste verschifft. Auf dem Weg wird euer Schiff von einem riesigem Kraken versenkt, aber durch die Hilfe einer Stimme (die für jeden Spieler eine andere ist) kommt ihr doch heile an der Freudenfestenküste an. Wohin es von dort aus geht ist eure eigene Entscheidung, selbst wenn die großen Storyaspekte (runter von der Freudenfeste im ersten Kapitel z.B.) immer die selben sind. Aber mit wem ihr redet, was ihr abschließt und auf welchem Weg ihr die Freudenfeste verlasst ist eure Sache.
Es gibt mindestens 5 Wege aus der Freudenfeste zu entkommen, ähnlich verhält es sich auch mit den anderen Kapiteln. Selbst wenn ihr eine fixe Storyquest habt gibt es immer die Möglichkeit diese Quest auf verschiedene Arten zu lösen. Das gibt einem eine Freiheit die ich selten in einem RPG gespürt habe.

Wenn wir schon von Freiheiten reden, gehen wir gleich noch auf die Spielmechaniken ein.
DOS2 hat ein sehr freies und solides RPG-System in seinem Bauch. Ungeübte Spieler werden sich vermutlich das eine oder andere mal verskillen, aber Original Sin gibt einem immer wieder die Möglichkeit sich komplett zurückzusetzen und neu anzufangen, sei es weil man eine andere Magievariante probieren will oder einen reinen Nahkämpfer ohne Zauber bauen will. Das Spiel lässt einem alle Freiheiten die man nur haben könnte, und so gut und lustig dies ist, so kann es doch anfangs frustrierend sein, viel Stärke in seinen Kämpfer zu stecken und dann nie dran zu kommen weil die Geschwindigkeit und Handlungspunkte zu niedrig sind. In DOS 1 mussten wir 3 mal neu starten weil unser selbst erstellter Char zu nichts zu gebrauchen war. Aber sobald man den Dreh herausen hat gibt es nur mehr 2 Gameplayelemente die man besprechen muss: Die normale Overworld und das Kampfsystem.

Beginnen wir mit der Overworld. In dieser kann man sich auf der Karte frei per klicks  (oder direkt per Controller) bewegen und auch außerhalb von Kämpfen sämtliche erlernte Skills einfach mal abfeuern. Das kann Auswirkungen auf die Umgebung haben oder auf NPCs die sich in der Umgebung befinden. Und den NPCs ist es nicht egal wenn man sie mit einem Feuerball abschießt. Diese NPCs greifen dann meistens ungefragt an und sind zumeist ziemlich taffe Gegner.
Wenn man sich nicht so brutal verhalten will kann man in den immer amüsanten Dialogen von Original Sin versinken und auch so manche interessante Begebenheiten finden. So kann man z.B. relativ früh im Spiel wenn man Tierrede besitzt ein Huhn ansprechen das einem erzählt es sei ein mächtiger Zauberer. Wenn man das anzweifeln sollte teleportiert einen das Huhn kurzerhand über die halbe Map. Beim nächsten Mal wirkt dieses Huhn dann ganz selbstzufrieden und wenn man genug davon hat kann man natürlich versuchen es zu attackieren, aber ob das gut für einen ausgeht muss man selbst herausfinden. DOS hat auch eine Sache mit der ersten Stadt. Im ersten Spiel haben wir die ersten 5-6 Spielstunden nur damit verbracht die erste Stadt zu erkunden und herauszufinden was man alles tun kann und diverse versteckte Nebenquests ausgebuddelt und abgeschlossen. Was um einiges spaßiger ist wenn man ausnutzt das sich die Spieler total unabhängig von einander über die Map bewegen können. Nur bei großen Kartenänderungen (den Kapiteln des Spiels) wird von den Spielern verlangt gemeinsam den Übertritt in die nächste Map zu tätigen. So kann man auch große Teile des Spiels stundenlang erkunden ohne auch nur einmal über einen Kampf zu stolpern. Aber wenn es mal so weit ist wird es gefährlich.

Unvorbereitet in einen Kampf zu stürzen ist in Divinity nie eine gute Idee, dennoch ist jeder Kampf mit der richtigen Strategie schaffbar. Ablaufen tun diese in einem rundenbasierten System, in dem die anzahl deiner Aktionen von deinen Aktionspunkten abhängt (welche durch Stats vermehrt werden können). Jede Aktion, sei es bewegen (je weiter, desto mehr punkte), angreifen (2AP) oder Skills (hängt vom Skill ab) braucht diese AP auf. Sind sie leer, ist der nächste dran. Ist deine Rüstung alle gehen deine HP runter, wenn die leer sind segnet man das zeitliche. Was das ganze spannend macht sind die über 200 Skills die man im Spielverlauf erlernen kann. Natürlich kann kein Charakter alle beherrschen, daher sollte man sich absprechen wer was lernen will. Ob er ein Magier werden will, ein Assassine mit Windmagie, ein Nahkämpfer mit Heil und Erdmagie, ein Nekromant und Summoner, oder alles davon, nur nicht in irgendwas richtig gut, das lässt einem das Spiel komplett frei und kann wie schon erwähnt auch öfter mal zurückgesetzt und komplett neu geskillt werden. Da man im späteren Spielverlauf Zugriff auf beinahe alle Skillbücher hat kann man seinen Charakter immer in die Richtung aufbauen die einem am meisten Spaß macht. Die Skillbücher müssen pro Charakter nur einmal verwendet werden, danach muss er nur die Vorraussetzungen erfüllen um diese Zauber und Skills auch verwenden zu können.

Alles in allem, Divinity Original Sin 2 ist meiner Meinung nach das lustigste, am besten durchdachteste und auch eines der längsten Single- und Multiplayer storybasierten RPGs, wenn man es darauf auslegt. Und da man es mit Freunden spielen kann ist es noch viel witziger alles zu erkunden und die Fähigkeiten jedes einzelnen auszunutzen. Denn egal wie sinnlos ein Skill auch scheint, für das eine oder andere ist er unabdingbar. Wie man auch ein PnP-Abenteuer machen sollte.
Somit empfehle ich DOS2 und auch den Vorgänger an alle PnP und an alle RPG-Fans, egal ob sie mit oder ohne Freunde spielen wollen.

DOS2: Definitive Edition ist seit 31tem August auf PS4 und XBONE erhältlich, Besitzer der PC-Version erhalten die Definitive Edition als Gratis-Update.

PS: DOS2 besitzt sogar einen DM-Modus, der meiner Meinung nach die beste Möglichkeit ist eine digitale DnD-Kampagne mit bis zu 4 Freunden zu spielen. Der ist allerdings so Umfangreich, das man fast einen eigenen Post dazu schreiben müsste.

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